Im Stade Bauer öffnet am Samstag das nächste große Stück des Umbaus: Red Star empfängt Saint-Étienne und nimmt dabei seine neue Kop-Tribüne mit etwas mehr als 2.000 Plätzen in Betrieb. Die aktive Szene ruft die eigenen Leute dazu auf, schon um 19 Uhr auf den Plätzen zu sein. Anpfiff ist um 20 Uhr.
Für Red Star ist das deutlich mehr als die Einweihung von Beton und Sitzschalen. Die Fanszene sieht den Abend als Ergebnis eines rund 20 Jahre langen Kampfes darum, Bauer zu erhalten und trotzdem endlich ligatauglich zu machen.
Ein Ground, den man besser früher gemacht hat
Für Groundhopper war das alte Stade Bauer lange eine ziemlich große Nummer: eröffnet 1909, mitten im dicht bebauten Saint-Ouen, krumme Ecken, alte Tribünen und direkt daneben der Wohnkomplex Planète Z, der fast selbst zum Stadion gehörte. Bauer wirkte weniger geplant als über Jahrzehnte zusammengewachsen – und genau das machte den Reiz aus.
Mittlerweile verschwindet dieses alte Bauer Stück für Stück. Seit 2021 wird bei laufendem Spielbetrieb umgebaut, am Ende soll ein modernes Stadion mit rund 10.000 Plätzen stehen. Der Verein versucht zwar, die enge Bauform und etwas vom alten Charakter mitzunehmen. Trotzdem gilt aus Hoppersicht ziemlich klar: Wer Bauer noch in seiner alten Form gesehen hat, kann sich glücklich schätzen.
Warum es überhaupt so lange dauerte
Dass Red Star heute noch an der Rue du Docteur Bauer spielt, war lange nicht selbstverständlich. Ende der 1990er stand zeitweise ein Umzug ins Stade de France im Raum, später ein kompletter Neubau in den Docks von Saint-Ouen. Gleichzeitig verfiel Bauer weiter und erfüllte irgendwann nicht mehr die Anforderungen der Ligue 2.
Nach dem Aufstieg 2015 musste Red Star deshalb seine Heimspiele rund 80 Kilometer entfernt in Beauvais austragen, später ging es ins Rugby-Stadion Jean-Bouin nach Paris. Die Fans hielten dagegen, boykottierten ausgelagerte Spiele und machten mit Aktionen wie „1000 supporters pour Bauer“ Druck für eine Sanierung am alten Standort.
Auch nach dem grundsätzlichen Ja zum Umbau blieb es unruhig. Teile der Fanszene fühlten sich bei der Planung übergangen, kritisierten unter anderem die Gestaltung des künftigen Kop und setzten Änderungen durch. Ganz umsonst waren die zwei Jahrzehnte Streit also offenbar nicht.
Und dann kommt auch noch Saint-Étienne
Sportlich hätte man den Termin kaum besser bestellen können. Saint-Étienne reist als Tabellenführer nach Saint-Ouen, Red Star steht direkt dahinter auf Platz zwei. Zwei Punkte trennen beide vor dem Spiel.
Damit bekommt die neue Tribüne nicht irgendein Eröffnungsspiel, sondern direkt Red Star gegen ASSE: Spitzenspiel der Ligue 2, eine angekündigte Aktion der Heimkurve und eine der größten Fanszenen Frankreichs im Gästeblock.
Genau deshalb ist Red Star – Saint-Étienne unser Geheimtipp im Tandemhopper-Groundhoppingkalender für dieses Wochenende. Schade ums alte Bauer? Ziemlich. Aber wenn schon wieder ein Stück davon verschwindet, dann ist dieser Samstag zumindest ein sehr brauchbarer Anlass, noch einmal hinzufahren.



