Für ein algerisch-marokkanisches Freundschaftstreffen fährt man offenbar am besten nach Nigeria. Während die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern seit Jahren schwierig sind, treffen sich am Flughafen von Lagos Anhänger von MC Alger und Raja Casablanca. Beide Klubs sind am selben Wochenende im Land unterwegs, beide gehören zu den größten Fanszenen Afrikas. Die Anhänger singen und sprayen gemeinsam und es entstanden Bilder, die beiden Staatsapperaten nicht gefallen dürften.

Dass das Ganze ausgerechnet in Nigeria zustande kommt, passt ziemlich gut zu dieser Qualifikationsrunde. Rangers International aus Enugu empfangen MCA wegen Arbeiten am eigenen Stadion rund 600 Kilometer entfernt in Abeokuta. El-Kanemi Warriors müssen für ihr Confederation-Cup-Spiel gegen Raja sogar aus Maiduguri nach Ikenne ausweichen, weil ihr Stadion keine CAF-Zulassung besitzt. Zwei Heimspiele ziemlich weit weg von zuhause – und plötzlich treffen sich Algerier und Marokkaner in Lagos.

Rund hundert MCA-Fans machen die Reise mit. Auch Raja wird in Nigeria begleitet und bekommt trotz der Entfernung ordentlich Farbe auf die Tribüne. Bis hierhin ist es eigentlich die nette Geschichte dieses Wochenendes.

Raja-Fans in Nigeria

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Nach dem Spiel beginnt der Beschwerdewettbewerb

Bei MC Alger bleibt es allerdings nicht beim Support. Nach der 0:2-Niederlage gegen Rangers tauchen aufgebrachte Fans im Bereich der Kabinen auf und nehmen Trainer Khaled Ben Yahia verbal ins Visier. Videos der Szenen verbreiten sich anschließend in Algerien.

Mouloudia-Fans im Kabinentrakt

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Rangers reicht zusätzlich eine Beschwerde bei der CAF ein. Der Klub wirft Teilen der Gästefans unter anderem vor, einen Zugang beschädigt, Sitze zerstört und teilweise ohne Ticket das Stadion betreten zu haben.

MCA antwortet ebenfalls schriftlich. Die fraglichen Sitze seien bereits vor dem Anpfiff kaputt gewesen, außerdem beschwert sich der Klub über die Ticketpreise. 20 US-Dollar mussten die mitgereisten Fans nach Angaben des Vereins zahlen – laut MCA ein Preis, den man auf den bisherigen Afrikapokalreisen so noch nicht erlebt habe. Nach 90 Minuten Fußball ging das Duell also erstmal in die Disziplin Stellungnahme gegen Stellungnahme.

Das Rückspiel liefert dann eine Geschichte, die fast ein bisschen zu sauber geschrieben ist: MCA gewinnt 3:0 und kommt weiter.

Genau dasselbe war schon 1976 passiert. Damals verloren die Algerier das Halbfinal-Hinspiel bei denselben Rangers ebenfalls 0:2 und drehten das Duell zuhause mit 3:0. Danach gewann MCA gegen Hafia Conakry den Landesmeisterpokal – bis heute der einzige Triumph des Klubs in Afrikas wichtigstem Vereinswettbewerb.

Fünfzig Jahre später: gleicher Gegner, gleiche Ergebnisse, wieder weiter. Manche Vereine bemühen für Jubiläen Retrotrikots. MCA nimmt offenbar lieber komplette Europapokal-Drehbücher.

Bitte einmal das Tor kontrollieren

Wer dachte, damit sei der kuriose Teil erledigt, konnte am Wochenende einfach nach Radès weiterschalten.

Schon vor Espérance Tunis gegen den libyschen Swehly wird es beim Aufwärmen zwischen Beteiligten beider Seiten ruppig. Einen Tag später legen Club Africain und TP Mazembe noch eine deutlich eigenartigere Variante nach.

Ärger beim Aufwärmen vor Espérance Tunis

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Auf Videos ist zu sehen, wie ein Mitglied der Mazembe-Delegation in Richtung eines Tores geht und dort offenbar eine unbekannte Substanz verteilen will. Ein Africain-Verantwortlicher sprintet hinterher, verhindert das Vorhaben und innerhalb weniger Sekunden sind Spieler, Funktionäre und Sicherheitskräfte beteiligt.

Zwischenfall vor Club Africain gegen TP Mazembe

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Schon im Hinspiel in Lubumbashi hatten die Tunesier nach eigenen Angaben einen weißen Beutel mit verdächtig wirkenden Gegenständen in Tornähe gefunden. In sozialen Medien war schnell von Zauberei die Rede. Belegt ist davon nichts. Was sich in dem Beutel befand, was in Radès verteilt werden sollte und welchen Nutzen das Ganze haben sollte, ist ungeklärt.

Fest steht nur: Die Torraumkontrolle wird in dieser Qualifikation deutlich ernster genommen als anderswo.

USM Alger qualifiziert sich ohne Anpfiff

USM Alger braucht für den Einzug in die Gruppenphase dagegen überhaupt keinen Anpfiff.

Gegner The Panthers aus Äquatorialguinea hatte sich sportlich gegen ASPAC aus Benin durchgesetzt. Das Problem begann danach: Im eigenen Land stand kein CAF-zugelassenes Stadion zur Verfügung, die Ausweichspiele und Reisen hatten die finanziellen Reserven bereits ordentlich aufgebraucht.

Zwischenzeitlich wird deshalb eine ziemlich pragmatische Lösung gefunden: Beide Spiele gegen USMA sollen einfach in Algier stattfinden. USM Alger übernimmt dabei die Aufenthaltskosten, Panthers muss nur noch irgendwie hinkommen.

Auch das klappt nicht.

Der Klub erklärt schließlich, für den Flug der Delegation nicht mehr genügend Geld zu haben. Erwartete Unterstützung sei nicht angekommen, Kredite und Sponsoren hätten die Lücke ebenfalls nicht geschlossen. Panthers zieht zurück, die CAF bestätigt den Rückzug – und USM Alger steht in der Gruppenphase, ohne in dieser Saison auch nur eine einzige Minute im Wettbewerb gespielt zu haben.

Erst sportlich die nächste Runde erreicht, dann am Flugticket gescheitert. Afrikanische Klubwettbewerbe können ziemlich brutal sein, ohne dass überhaupt jemand grätscht.

Ein Flugzeug, ein Protest und ein fehlender Teilnehmer

CR Belouizdad wartet derweil weiter darauf, gegen wen beziehungsweise ob man überhaupt spielen darf.

Eigentlich sollte AS Douanes aus Mauretanien bereits im September das Rückspiel der ersten Runde bei Hafia Conakry bestreiten. Doch das für die Reise vorgesehene Charterflugzeug geriet bei der Landung in Nouakchott von der Landebahn. Die Mannschaft konnte nicht nach Guinea fliegen.

Die CAF wertete den Vorfall als höhere Gewalt und setzte die Partie neu an. Douanes gewann das Nachholspiel 1:0 und zog weiter.

Hafia sieht das anders. Der Klub argumentiert, dass vermeidbare organisatorische Probleme vorgelegen hätten, und zieht schließlich vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Der ordnet vorläufig an, dass die folgende Paarung zwischen Douanes und CR Belouizdad nicht vor dem 6. November stattfinden darf.

Das sorgt für eine hübsche organisatorische Besonderheit: Bei der Gruppenauslosung am 28. Oktober stehen im Confederation Cup offiziell erst 15 Klubs fest. Der sechzehnte Platz gehört CR Belouizdad, AS Douanes oder vielleicht doch Hafia. Ein Teilnehmer als juristische Überraschungstüte.

Und dann fliegt auch noch der Titelverteidiger raus

Sportlich liefert ausgerechnet der Titelverteidiger die größte Überraschung.

Mamelodi Sundowns scheidet gegen Wiliete aus Angola aus. Wiliete wurde erst 2018 gegründet und hatte zuvor noch nie die Gruppenphase erreicht. Nach einem 0:0 in Angola reicht dem Außenseiter ein 1:1 in Pretoria dank der weiterhin geltenden Auswärtstorregel.

Ein einziges Gegentor in 180 Minuten reicht damit, um den amtierenden Afrikameister vor der Gruppenphase nach Hause zu schicken.

Eine kleine Zusatznote bekommt die Geschichte durch die Besitzverhältnisse: Sundowns gehört zur Motsepe-Familie. Patrice Motsepe ist Präsident der CAF, sein Sohn Tlhopie führt den Klub als Chairman. Das Ausscheiden selbst ist natürlich ziemlich eindeutig auf dem Platz zustande gekommen.

Online kursierte anschließend noch die Hoffnung, Wiliete könne einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt haben. Einen bestätigten Protest von Sundowns oder eine entsprechende CAF-Entscheidung gibt es bislang allerdings nicht. Stand jetzt ist Wiliete ganz normal weiter.

Groundhopper schafft es ins Fernsehen

Und dann gibt es noch diese kleine Nebenhandlung, die eigentlich ziemlich gut zu dieser Qualifikation passt: Bei Scottland FC in Simbabwe sitzt plötzlich ein deutscher Groundhopper in der Liveübertragung und wird dort kurzerhand zum Gesprächsgast.

Während anderswo über Proteste, Flugzeugpannen und mysteriöse Substanzen diskutiert wird, landet hier also einfach ein Hopper im Fernsehen.

Für die Gruppenphase musste Scottland am Ende trotzdem kämpfen. Für internationale Fernsehminuten reichte beim Groundhopper offenbar schon die Anwesenheit.

Der deutsche Groundhopper „Professor“ bei Scottland FC (ab 14:14)

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Große Namen, ungewöhnliche Gruppenphase

Damit sieht auch die kommende Gruppenphase etwas anders aus als gewohnt. Al Ahly und Raja Casablanca spielen diese Saison nicht Champions League, sondern Confederation Cup. Wydad fehlt in den beiden großen CAF-Klubwettbewerben komplett.

Kaizer Chiefs scheitert im Confederation Cup nach Elfmeterschießen an Red Arrows aus Sambia. TP Mazembe fliegt gegen Club Africain raus. Und Petro de Luanda reagiert auf ein 0:2 bei Scottland FC in Simbabwe erstmal damit, Trainer João Pedro Sousa zu entlassen.

Zwischen Fans im Kabinengang, mysteriösen Substanzen am Tor, einem Klub ohne Geld für den Flug, einem Gerichtsverfahren wegen eines verunglückten Charterflugzeugs und dem ausgeschiedenen Titelverteidiger war die eigentliche Qualifikation jedenfalls überraschend nebensächlich.

Für die Gruppenphase musste man sich qualifizieren. Für eine gute Geschichte reichte diesmal meistens schon, überhaupt anzutreten.