Endlich wieder Pflichtspiel-Fußball. Und für mich begann die neue Saison direkt mit einem kleinen Kindheitsding.

Als ich früher in der Brandenburger Kleinstadt saß und gerade YouTube für mich entdeckte, zog ich mir stundenlang Supportvideos aus aller Welt rein. Mit dabei waren immer wieder Aufnahmen der Dortmunder Amateure.

Dass eine zweite Mannschaft eine eigene aktive Gruppe, eigenes Liedgut und eigene Fahnen hatte, fand ich damals komplett faszinierend. Der BVB selbst hat mich als Kind nie so gepackt wie viele meiner Freunde, aber diese Amateur-Szene blieb irgendwie hängen.

Später, nach dem Umzug zum Studium nach NRW, war die Regionalliga West für mich sowieso eine kleine Offenbarung. Mit Semesterticket, viel Freizeit am Wochenende und damals noch Schiedsrichterausweis ging plötzlich eine neue Welt auf: Münster in Ahlen, Duisburg in Wiedenbrück, Essen in Lotte, dazu Aachen, Wuppertal, Lippstadt und all diese besonderen Kulturtreffen zwischen großen Szenen und kleinen Plätzen.

Die Zweitvertretungen waren dabei meistens eher der Pflichtteil.

lte Rote Erde, großes Stadion direkt dahinter und diesmal auch wieder ordentlich Betrieb auf der Tribüne.

“Stimmungshighlight” 2. Mannschaft?

2026 sieht die Liga aber anders aus. Viele große Namen sind weg oder spielen inzwischen woanders, Oberhausen steht stimmungstechnisch ziemlich allein da, und ausgerechnet zwei Nachwuchsteams boten zum Start wahrscheinlich direkt eines der atmosphärisch interessanteren Spiele der Saison.

BVB U23 gegen 1. FC Köln U21.

Angekündigt war meines Wissens nichts Großes. Aber wer die Auftritte der Dortmunder zuletzt verfolgt hatte und dazu weiß, wie konstant die Kölner ihre U21 begleiten, konnte zumindest hoffen, dass hier mehr geht als ein normales Regionalliga-Spiel vor verstreuten Familien und ein paar Rentnern mit Stadionwurst.

Und genau so kam es.

Die Kölner Szene ist zahlenmäßig natürlich nicht riesig, aber seit einiger Zeit sehr konstant bei der U21 dabei. Auch bei Youth-League-Spielen der U19 waren Aktive zu sehen, was in diesem oft ziemlich sterilen Nachwuchsfußball schon auffällt. Heute war der Gästeblock ordentlich gefüllt und optisch präsent, auch wenn es ohne Dach akustisch schwer war.

Auf Dortmunder Seite standen rund 500 Leute unter dem Dach und waren dadurch klar im Vorteil. Gerade die alten Amateur-Lieder, die mich früher schon auf YouTube gepackt hatten, kamen gut rüber. Für mich war das nach vielen Besuchen in der Roten Erde ohne aktive Begleitung endlich genau der Abend, auf den ich als kleiner Supportvideo-Nerd irgendwie immer gewartet hatte.

Auch Köln brachte für ein U21-Spiel einen durchaus sehenswerten Gästeblock mit.

Hopperpolizei nach 60 Sekunden

Persönlich startete der Tag noch mit einem kleinen Eigentor.

Ich machte mich aus Holland etwas hektisch auf den Weg und vergaß, mich weniger offensichtlich hoppermäßig zu kleiden. Zipper eingepackt, North-Face-Pulli lag halt oben. Keine 60 Sekunden im Biergarten, schon kam die Frage, ob ich nicht Hopperkasse zahlen möchte. Mein zu schneller, entschlossener Gang durch den Biergarten war wohl zu verräterisch.

Zum Glück konnte ich mich mit meiner früheren studentischen Tätigkeit beim BVB-Nachwuchs halbwegs rausreden und wurde in Ruhe gelassen.

Die Atmosphäre rund um die Rote Erde war ansonsten genau das, was solche Spiele ausmacht. Heim- und Gästebereich waren vor dem Spiel nicht streng voneinander getrennt, das Tor zwischen den Bereichen war offen, und im Biergarten standen unter den Bäumen gelbe und rote Gruppen, Familien, Rentner, Kinder und Szenegänger irgendwie nebeneinander.

Genau dieser Mix macht die Rote Erde aus: alte Traversen, Biergarten, Familien und mittendrin ein paar Kinder mit Ball.

Zwischendurch hatte das fast etwas Osteuropäisches, als plötzlich eine größere vermummte Gruppe vor dem Block stand, während daneben Kinder herumrannten und ältere Zuschauer sich zwischen Zaunfahnen hindurch zu ihren Plätzen auf der Haupttribüne schoben. Kurioses Bild, aber insgesamt blieb alles entspannt.

Zwei aktive Seiten

Auf den Rängen entwickelte sich dann genau dieser besondere Mix, den man in modernen Arenen oft vergeblich sucht.

Dortmund mit starkem Dachsound, Köln mit viel Bewegung und guter Präsenz im Gästeblock. Kein riesiges Materialfeuerwerk, kein künstlicher Eventrahmen, einfach zwei aktive Seiten, die einem Nachwuchsspiel sofort eine ganz andere Bedeutung gaben.

Auch sportlich passte der Abend ganz gut in diesen Rahmen. Kein Hochglanzfußball, eher Regionalliga mit Testspielnote, aber mit genug Momenten, um drin zu bleiben.

Besonders stark wurde es am Ende, als der BVB zum 1:0 traf und die U23-Spieler direkt vor der Kurve jubelten. Fackeln, Spieler, Zaun, alte Rote Erde, Sonnenuntergang.

Kurz vor Ende kamen gemeinsame Gesänge gegen die Polizei, einzelne Fackeln und ein allgemeines Bekenntnis zu einer Fußballkultur dazu, die in dieser Liga leider immer seltener wird.

Der Abend zeigte ziemlich gut, wie viel selbst in einem Nachwuchsspiel stecken kann, wenn die Leute Bock haben.

Rote Erde, gutes Wetter, Sonnenuntergang, zwei aktive Seiten, entspannte Atmosphäre auf den restlichen Rängen und kein Plastikprogramm drumherum.

Kein dicker Einheizer, keine Halbzeitshow, keine Arena-Show, kein Kommerztheater. Manchmal reicht das völlig.