Eigentlich hatte ich ziemlich große Pläne für 2027.

Ich bin noch kein Hopper, der seit 30 Jahren irgendwelche verschwundenen Ascheplätze in Moldawien nachtrauert. Trotzdem ist inzwischen einiges zusammengekommen, gerade auch außerhalb der UEFA. Und genau deshalb sollte 2027 für mich der nächste Schritt werden: Saudi-Arabien, Ostafrika und Brasilien. Im Idealfall sechs neue relativ exotische Länderpunkte in einem Jahr.

Innerhalb weniger Tage haben alle drei Pläne zumindest einen ordentlichen Dämpfer bekommen.

Natürlich ist davon noch nichts komplett gestorben. Aber selten hat eine Woche meine Groundhopping-Planung so gründlich durcheinandergebracht.

Saudi-Arabien: Ausgerechnet der Asian Cup wackelt

Auf Saudi-Arabien hatte ich mich vielleicht am meisten gefreut.

Das liegt vor allem am letzten Asian Cup in Katar. Dieses Turnier hat bei mir etwas ausgelöst.

Katar kann man aus genügend Gründen kritisch sehen. Fußballerisch war dieser Asian Cup für uns trotzdem richtig stark. Das Turnier stellte mit rund 1,5 Millionen Zuschauern einen neuen Besucherrekord auf. Und auch wenn längst nicht jedes einzelne Spiel ausverkauft war, fühlte sich vieles deutlich größer an, als man es von asiatischem Nationalmannschaftsfußball aus Europa vielleicht erwartet.

Wir sahen Indien vor riesigen Kulissen – gegen Australien waren es 36.253 Zuschauer, gegen Usbekistan 38.491 und gegen Syrien sogar 42.787. Koreaner, Japaner, Indonesier, Jordanier und die arabischen Fans sowieso machten aus vielen Spielen kleine Heimspiele.

Gerade Katar funktionierte dafür perfekt. In diesem winzigen Land leben Menschen aus halb Asien, und plötzlich standen bei Spielen Nationen nebeneinander, die ich bis dahin hauptsächlich aus irgendwelchen Qualifikationslisten kannte.

Man kam ins Gespräch, stand mit ihnen im Block und merkte irgendwann: Eigentlich wäre es ziemlich geil, diese Leute einmal bei ihnen zuhause zu erleben.

Der Asian Cup hat bei mir deshalb nicht einfach nur einen Länderpunkt gebracht. Er hat die Lust auf Asien deutlich vergrößert.

Und ausgerechnet die Saudis waren damals kaum zu übersehen. Beim Gruppenspiel gegen Oman kamen 41.987 Zuschauer. Saudi-Arabien ist ohnehin ein Land mit einer Fußballkultur, die weit über Ronaldo, Staatsgeld und die üblichen europäischen Schlagzeilen hinausgeht.

Der Asian Cup 2027 dort klang entsprechend nach einem ziemlich perfekten nächsten Schritt.

Acht Stadien in Riad, Dschidda und Al-Khobar, vier Wochen Fußball im Januar und jede Menge Nachbarländer, deren Fans relativ einfach anreisen können. Dazu ein riesiges Land, in dem man auch abseits des Fußballs locker mehrere Wochen verbringen könnte.

Und jetzt wackelt das Ganze.

Wegen der verschärften Sicherheitslage und der wiederholten Angriffe auf Saudi-Arabien spricht inzwischen selbst AFC-Präsident Salman bin Ibrahim Al-Khalifa offen über eine Verschiebung auf 2028. Nach dem AFC-Treffen in Tokio sagte auch Japans Verbandspräsident, eine Austragung wie geplant sei unter den aktuellen Umständen schwierig.

Offiziell läuft trotzdem alles weiter. Termine, Stadien, Anstoßzeiten – als wäre nichts.

Für einen Verband logisch. Für jemanden, der irgendwann Flüge, Visa und Hotels buchen muss, eher weniger hilfreich.

Dann eben Afrika? Nun ja.

Mein zweiter großer Plan war der Africa Cup of Nations 2027 in Kenia, Tansania und Uganda.

Und der ist aus Groundhopping-Sicht eigentlich fast noch verrückter.

Drei Gastgeberländer innerhalb eines Monats. Und wer bei Footballogy Zanzibar separat zählt, bekommt theoretisch sogar vier Länderpunkte aus einer Reise heraus.

Der AFCON soll vom 19. Juni bis 17. Juli 2027 stattfinden. 24 Nationalmannschaften, Ostafrika, vermutlich volle Stadien und ein Turnier, das in diesen Ländern eine komplett andere Bedeutung haben dürfte als irgendein Freundschaftsspiel, das man sonst mühsam für einen Länderpunkt suchen müsste.

Genau solche Turniere reizen mich.

Wenn wir in Europa von Fans „aus aller Welt“ sprechen, meinen wir oft Engländer, Deutsche, Amerikaner und vielleicht noch Australier. Bei einem Africa Cup trifft man plötzlich Menschen aus Mali, Angola, Kamerun, Burkina Faso oder der DR Kongo.

Dazu Kenia, Uganda, Tansania und eben Zanzibar. Länder, bei denen ich sonst vermutlich deutlich mehr Aufwand hätte, überhaupt sinnvollen Fußball in eine Reise einzubauen.

Eigentlich ein Traum.

Nur leider ist die CAF bei Turnierplanungen ungefähr so vertrauenerweckend wie eine Fluggesellschaft, die seit sieben Flügen jedes Mal das Gate gewechselt hat.

Seit 2013 hat tatsächlich jede einzelne AFCON-Ausgabe irgendeine größere Änderung gegenüber der ursprünglichen Planung erlebt: Gastgeber wurden ausgetauscht, Turniere verschoben oder Termine massiv verändert. Libya verlor 2013 und später 2017, Morocco 2015, Cameroon 2019. Die 2021er-Ausgabe wurde wegen Corona erst 2022 gespielt, die AFCON 2023 wegen des Wetters Anfang 2024 und die Ausgabe 2025 landete wegen der Klub-WM plötzlich im Dezember 2025 und Januar 2026.

Eine gewisse Skepsis ist also nicht komplett aus der Luft gegriffen.

Und auch 2027 ist längst nicht alles fertig.

Die CAF gibt sich offiziell optimistisch und führt regelmäßig Inspektionen durch. Gleichzeitig ist bis heute nicht einmal die endgültige Liste der Spielstadien bestätigt.

Tansania scheint aktuell am weitesten zu sein. Dort laufen unter anderem Arbeiten am Benjamin Mkapa Stadium, am neuen Stadion in Arusha sowie am Fumba Stadium auf Zanzibar.

In Uganda sieht es gemischter aus. Das neue Akii-Bua Stadium wurde Anfang Oktober mit rund 84 Prozent Baufortschritt angegeben. Beim wichtigen Mandela National Stadium in Namboole lagen die laufenden Umbauarbeiten dagegen je nach Quelle erst bei etwa 45 bis 51 Prozent.

Auch in Kenia wird weiterhin gebaut. Beim neuen Talanta Stadium zeigte sich CAF-Präsident Patrice Motsepe zuletzt zufrieden, am Kasarani Stadium sind dagegen noch Arbeiten notwendig.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass der AFCON abgesagt wird.

Aber für eine Reise, bei der man zwischen drei Ländern planen, Flüge kombinieren und womöglich auch Zanzibar einbauen möchte, wäre irgendwann eine halbwegs belastbare Stadion- und Spielortliste durchaus charmant.

Zumindest die Temperaturen machen mir dabei weniger Sorgen als zunächst gedacht. Juni und Juli liegen in großen Teilen Ostafrikas in der trockeneren und eher kühleren Jahreszeit. Nairobi ist dann weit entfernt von irgendwelchen Golfstaat-Sommertemperaturen. An der Küste und auf Zanzibar bleibt es natürlich wärmer.

Das größere Fragezeichen steht hinter der Infrastruktur.

Und wer darauf hofft, dass die CAF Zweifel besonders früh ausräumt, hat die vergangenen Jahre offenbar nicht besonders aufmerksam verfolgt.

Nebenbei kursieren inzwischen auch Meldungen über Probleme bei anderen afrikanischen Turnieren.

Und dann kam Brasilien

Der dritte Schlag dieser Woche ist deutlich weniger dramatisch – für meine Planung aber fast genauso ärgerlich.

Die Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland gehört bis heute zu meinen liebsten großen Reisen.

Für mich war das damals auch persönlich ein ziemlich großer Schritt. Eine meiner ersten richtig langen Reisen weitgehend alleine, mit Billigairlines und absurden Zwischenstopps zum anderen Ende der Welt und einem absoluten Mini-Budget.

Dafür bekam ich einen Monat Fußball.

Unter der Woche Frauen-WM, daneben australischen und neuseeländischen Männerfußball. Ausverkaufte Megastadien bei England, Irland, Brasilien, Kolumbien, Deutschland und immer wieder komplett unterschiedliche Zuschauer.

Australien ist ein Einwanderungsland, und das merkte man bei dieser WM ständig. Manche Mannschaften bekamen plötzlich Heimspiele, obwohl sie ein paar Tausend Kilometer von zuhause entfernt waren.

Auch die Kulissen waren enorm. Deutschland gegen Südkorea in Brisbane sahen beispielsweise knapp 39.000 Zuschauer. In Neuseeland wurde während des Turniers zweimal der Zuschauerrekord für ein Fußballspiel im Land gebrochen. Am Ende standen 43.217 beim Halbfinale Spanien gegen Schweden.

Insgesamt kamen fast zwei Millionen Menschen zu dieser WM.

Und genau diese Mischung fand ich so spannend: Weltmeisterschaft in ungewöhnlichen Stadien und gleichzeitig die Möglichkeit, nebenbei normalen Vereinsfußball mitzunehmen.

Als Brasilien die WM 2027 bekam, war ich deshalb zunächst etwas enttäuscht.

Die gemeinsame Bewerbung von Deutschland, Belgien und den Niederlanden wäre für mich privat natürlich deutlich einfacher gewesen.

Irgendwann hatte ich mir Brasilien dann aber ziemlich erfolgreich schöngeredet.

Eigentlich sogar mehr als das.

Eine Frauen-WM in Brasilien, dazu gleichzeitig Brasileirão, vielleicht Pokal, kleinere Vereine und diese komplett andere brasilianische Fußballwelt. Das klang irgendwann nach der südamerikanischen Version meiner Australien-Reise.

WM-Spiele mit Menschen aus aller Welt und zwischendurch Männerfußball mit genau der Atmosphäre, wegen der man überhaupt nach Brasilien möchte.

Problem: Genau diese Kombination wird es ziemlich wahrscheinlich nicht geben.

Die CBF hat ihren Kalender für 2027 inzwischen veröffentlicht. Während der Frauen-WM vom 24. Juni bis 25. Juli soll der professionelle brasilianische Männerfußball pausieren.

Das ist keine kleine Länderspielpause von zwei Wochen, sondern ziemlich genau das komplette Turnier.

Natürlich kann irgendwo noch lokaler oder unterklassiger Fußball auftauchen, und internationale Wettbewerbe muss man gesondert betrachten. Aber die Idee, tagsüber Frauen-WM und abends irgendeinen geilen Brasileirão-Ground mitzunehmen, kann ich erstmal ziemlich weit nach hinten schieben.

Und genau darauf hatte ich mich gefreut.

Sechs Länderpunkte – und plötzlich drei Fragezeichen

Sechs neue Punkte, drei große Reisen und drei komplett unterschiedliche Fußballwelten.

Eine Woche später steht hinter Saudi-Arabien ein großes Fragezeichen, beim Africa Cup zumindest ein kleineres und Brasilien hat genau die Kombination verloren, die die Reise für mich besonders interessant gemacht hätte.

First-World-Problems eines Menschen, der freiwillig Urlaubstage danach plant, wo 22 Leute einem Ball hinterherlaufen.

Ist mir bewusst.

Trotzdem ist genau das ja das Schöne an diesem Hobby: Man baut sich jahrelang irgendwelche komplett absurden Reiseideen zusammen. Und manchmal reicht eine Pressemitteilung eines Verbandes, damit das ganze schöne Kartenhaus wieder etwas anders aussieht.

2027 ist damit nicht kaputt.

Vielleicht findet der Asian Cup ganz normal statt. Vielleicht stehen in Ostafrika nächsten Sommer plötzlich zehn fertige Stadien und die CAF überrascht uns alle. Vielleicht ergibt sich in Brasilien während der WM doch genug Fußball, den ich heute noch gar nicht auf dem Schirm habe.

Und wahrscheinlich entstehen sowieso wieder Reisen, an die ich momentan überhaupt nicht denke.

Aber diese Woche hat meine Planung ziemlich verändert.

Also heißt es erstmal wieder: abwarten, nicht zu früh unflexibel buchen und weiter recherchieren.

Wir behalten besonders Saudi-Arabien und den AFCON 2027 in den nächsten Monaten genau im Blick.

Wer dieselben bekloppten Reisepläne hat, sollte deshalb vielleicht unseren WhatsApp-Kanal abonnieren. Sobald irgendwo ein Verband entscheidet, dass ein Turnier plötzlich ein Jahr später, 4.000 Kilometer weiter östlich oder doch ganz normal stattfindet, bekommt ihr es dort mit.

Ich möchte 2027 schließlich immer noch diese sechs Länderpunkte machen.

Nur der Weg dahin sieht seit dieser Woche etwas komplizierter aus.