Der Groundhopping-Hype is real.
In diesem Fall sogar so real, dass ich mich aus den Niederlanden auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen machte, um ein Freundschaftsspiel zwischen PSV Braunschweig und dem FC Mainaustraße im Olympiastadion zu sehen.
Das Team aus der Braunschweiger 2. Kreisklasse hatte wieder eine besondere Idee umgesetzt: Fußball im alten Olympiaskistadion am Fuße der Zugspitze. Ein Lost-Ground-Spiel in einer Kulisse, die man so in Deutschland nicht oft bekommt.
Und die Leute kamen.
2.713 Leute im Skistadion
Nicht nur Groundhopper. Natürlich war es für die Szene auch eine Art Klassentreffen, gerade weil es in dieser Phase des Jahres nicht viele große Highlights gibt. Aber das Spiel erreichte diesmal auch Menschen außerhalb der üblichen Blase. Selbst größere Medien berichteten darüber.
Das ist auch verständlich. Fußball und Skispringen zusammen, dazu Garmisch, Olympia-Geschichte und Bergpanorama. Das hat schon eine besondere Wirkung.
Ich bin selbst mit Wintersport im Fernsehen aufgewachsen. Sven Hannawald, Thomas Morgenstern, Vierschanzentournee, dazu Bayern im Pokal oder international. Vielleicht erklärt das ein bisschen, warum diese Kombination aus Fußballplatz und Skisprungschanze bei vielen sofort etwas auslöst. In der Hopperwelt denkt man da schnell an Lahti, wo Fußballstadion und Skisprungschanze direkt nebeneinander liegen.
Nun also Garmisch.
120 Euro Flug statt Münchner Hotel
Da der Weg aus Noord-Holland ziemlich weit ist, hatte ich eigentlich früh geplant, daraus mit meiner Freundin eine kleine Süddeutschlandreise zu machen. Das fiel aber aus. Eine Messe in München machte die Hotelpreise absurd teuer, dazu kam die Hitzewelle. Für viel Geld in einem schlecht gekühlten Zimmer wachzuliegen, klang dann doch nicht besonders attraktiv.
Kurz sah es so aus, als würde die Nummer für mich ausfallen.
Dann fand ich doch noch einen passenden Flug von Amsterdam nach Innsbruck. Morgens, aber nicht zu früh, sodass ich ihn noch mit Fahrrad und Bahn erreichen konnte. 120 Euro waren nicht wenig, aber immer noch besser als Hotelpreise in Bayern an diesem Wochenende.
Im Flieger bekam ich sogar 17A zugelost. Beinfreiheit, Fensterplatz, eigentlich perfekt. Leider saß ich auf der falschen Seite, denn wir flogen über die Skisprungschanze in Garmisch. So blieb mir nur der Blick auf die Bergisel-Schanze in Innsbruck beim Landeanflug. Auch schön, aber natürlich etwas bitter.
Innsbruck selbst war dafür sehr entspannt. Wir waren das einzige Flugzeug auf dem Rollfeld, und von der Flugzeugtür bis zum Busstand dauerte es keine zwei Minuten.
Nach einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt ging es mit dem Deutschlandticket im Regionalexpress nach Garmisch. Die Strecke war wirklich stark. In gut einer Stunde durch die Berge, vorbei an einer Landschaft, bei der selbst ich als eher Stadion- als Naturmensch kurz verstehen konnte, warum Leute gerne in die Alpen fahren.
In Garmisch traf ich direkt bekannte Gesichter. Gleichzeitig war schnell klar: Schatten wird schwierig.
Ich war vorher noch nie an einer Skisprungschanze. Die Anlage machte schon Eindruck, aber fast stärker wirkten auf mich die alten Tribünen und das Bergpanorama dahinter. Der Ort hätte wahrscheinlich auch ohne Schanze genug Charakter gehabt.
Kunstrasen unter der Schanze
Beim Einlaufen der Mannschaften wurde dann sichtbar, warum das Event im Vorfeld von manchen Leuten kritisiert wurde. PSV Braunschweig machte auf queere Menschen aufmerksam, und der FC Mainaustraße ist aus einem Flüchtlingsprojekt entstanden. Außerdem gingen Teile der Einnahmen an verschiedene Spendenzwecke.
Ich kann ehrlich gesagt nicht ganz verstehen, warum man daraus so ein Drama machen muss. Es war ein Fußballspiel, keine Parteiveranstaltung. Wenn ein Verein viel Arbeit in so ein Event steckt, den Leuten einen besonderen Tag bietet und nebenbei soziale Projekte unterstützt, kann man das auch einfach mal so stehen lassen.
Wem es nicht passt, dass ein kleiner Teil seines Tickets an solche Zwecke geht, der muss ja nicht kommen.
Das Spiel selbst lief eher nebenbei. Viele nutzten die Zeit für Gespräche, Fotos oder Spaziergänge über die Ränge. Bei so einem Event steht das Sportliche nicht im Mittelpunkt.
Trotzdem verdient der organisatorische Aufwand großen Respekt. Allein der verlegte Kunstrasen zeigte nochmal, wie aufwendig diese Idee war. Einen Fußballplatz in ein Skistadion zu bauen, damit ein Kreisligateam dort ein Freundschaftsspiel austragen kann, ist schon ziemlich besonders.
Skispringen in der Halbzeit
Mein persönliches Highlight kam in der Halbzeitpause.
Ein paar Jugendspringer des Skivereins Garmisch gingen über die Schanze. Damit wurde nebenbei auch noch mein erster „Länderpunkt“ im Skispringen eingetütet. Natürlich nur in meinem eigenen Quatsch-Ranking, aber trotzdem ein schöner Moment.
Gut gelungen waren auch die T-Shirts, die PSV Braunschweig extra für das Spiel produzieren ließ. Für 28 Euro gab es sie am Stand, und bei so einem Event ist das natürlich ein schönes Erinnerungsstück.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt das Catering. Die Preise waren erwartbar hoch, aber das System mit Wertmarken war etwas nervig. Aus niederländischer Sicht fiel außerdem auf, dass Kartenzahlung nicht möglich war. Das ist keine große Sache, aber bei 2.500 Leuten und vielen Gästen von außerhalb vielleicht etwas unpraktisch.
Am Konzert und an der Führung hoch zur Schanze nach dem Spiel nahm ich nicht mehr teil. Für mich ging es danach wieder Richtung Heimat.
Sportlich endete das Ganze 3:1. Das Ergebnis war an diesem Tag aber wirklich nebensächlich.
Danach ging es mit dem Regionalzug nach München. Von dort weiter mit dem ICE nach NRW, Nachtfahrt inklusive, bevor der erste Regio zurück in die Niederlande fuhr. Immerhin konnte ich mit vier Euro für den ICE nach Köln noch ein echtes Schnäppchen machen.



