Manchmal reicht ein Stadioneröffnungsbadge.

Mehr war es an diesem Dienstag eigentlich nicht. Vormittags kurz durch Futbology geslidet, Spiel gesehen, neues Badge entdeckt, Route geprüft und schon war klar: Heute Abend wird wieder Fußball geguckt, den wirklich niemand zwingend gucken muss.

SCPB’22 gegen Legmeervogels. Testspiel. 0:0. 65 Zuschauer.

Das Spiel selbst war ungefähr so ereignisreich, wie diese Zahlen vermuten lassen. Wer hier eine taktische Analyse erwartet, sollte vielleicht kurz frische Luft schnappen und seine Lebensentscheidungen prüfen.

Interessanter war das Drumherum.

SCPB’22 ist gerade auf den neuen Sportpark De Veldpost gezogen. Eine moderne niederländische Anlage mit mehreren Feldern, Vereinsheim, ordentlicher Versorgung und genau dieser Art Funktionalität, die viele deutsche Groundhopper beim ersten Blick erstmal als steril wegwischen würden.

Kann ich verstehen.

Von außen sehen viele niederländische Sportparks aus, als hätte eine Gemeinde einmal „Fußballinfrastruktur“ gegoogelt und dann alles sehr ordentlich nebeneinander gestellt. Kunstrasen, Zäune, Fahrradständer, Vereinsheim, saubere Kabinen, ein paar Plätze, fertig. Keine bröckelnde Gegengerade, kein verrostetes Kassenhäuschen, kein Rentner, der seit 1987 denselben Grill bedient und jeden Gästefan misstrauisch duzt.

Also scheinbar erstmal wenig Romantik.

Aber genau da muss man in den Niederlanden etwas vorsichtig sein.

Ein Vereinsheim mit direktem Blick aufs Spielfeld und im Hintergrund der Tower von Schiphol: Beim SCPB’22 gibt es selbst an einem gewöhnlichen Dienstagabend mehr zu entdecken als auf dem Platz.

Warum niederländische Sportparks besser sind als ihr Ruf

Diese Sportparks können richtig gut sein. Oft gibt es ein starkes Vereinsheim, brauchbares Essen, genug Getränke, freundliche Leute und Tribünen, die klein, aber durchdacht gebaut sind. Nicht immer schön im klassischen Sinn, aber funktional. Man kommt an, holt sich einen Kaffee oder ein Bier, setzt sich irgendwo hin und merkt: Hier kümmern sich Menschen.

Das klingt banal.

Ist es aber nicht.

In Deutschland findet man im städtischen Amateurfußball inzwischen oft genug Plätze, auf denen außer einem Getränkeautomaten und einem müden „Kiosk heute geschlossen“-Zettel nicht mehr viel passiert. In den Niederlanden wirkt der Sportpark dagegen häufig wie ein echter Treffpunkt. Vielleicht nicht runtergegammelt, vielleicht nicht dreckig, vielleicht nicht für die große Gammelgalerie gebaut. Aber lebendig.

Und genau deshalb wollte ich mal eine kleine Lanze für diese Anlagen brechen.

Von außen ein moderner, ziemlich nüchterner Sportpark, von innen ein gemütlicher Vereinstreffpunkt mit direktem Blick aufs Spielfeld. Genau deshalb sollte man niederländische Sportanlagen nicht immer nach ihrer Optik beurteilen.

Groundhopping in den Niederlanden – ein Nischenhobby im Nischenhobby

Natürlich bleibt Groundhopping in den Niederlanden speziell.

Geografisch liegt das Land eigentlich perfekt: zwischen Deutschland und England, den beiden großen Hopperländern, dazu Norwegen als Futbology-Ursprungsland nicht komplett aus der Welt. Außerdem gibt es hier genug Menschen, die Züge, Flugzeuge, Fähren, Brücken oder sonstige Dinge sammeln, zählen und fotografieren. Vom Wesen her sind Trainspotter und Planespotter gar nicht so weit weg von uns. Nur dass wir eben freiwillig bei SCPB’22 gegen Legmeervogels stehen und danach behaupten, es sei ein guter Abend gewesen.

Trotzdem scheint die Groundhoppingbewegung hier noch dünn.

Vielleicht wegen Fancards, Buskombis und der generell etwas kontrollierteren Fußballkultur. Vielleicht auch, weil vielen Niederländern schlicht nicht einleuchtet, warum man sich einen Sportplatz im nächsten Dorf anschauen sollte, wenn die eigene Mannschaft gar nicht spielt.

Eine nachvollziehbare Frage.

Leider eine, die man als Hopper nicht zu lange an sich heranlassen sollte.

An diesem Abend war jedenfalls kurz so etwas wie niederländischer Hopperfasching. Von 65 Zuschauern waren bestimmt 20 dem Milieu zuzuordnen. Für Deutschland wäre das bei einem neuen Badge vielleicht ein laues Lüftchen. Für die Niederlande fühlte es sich fast nach Szeneevent an.

Man stand herum, checkte ein, schaute auf die neue Anlage, nickte sich wissend zu und tat so, als sei ein torloses Testspiel in Badhoevedorp ein vollkommen normaler Dienstagabendplan.

Groundhopping ist manchmal sehr dumm.

Aber immerhin konsequent.