Zum Abschluss meines Südwest-Wochenendes stand noch ein Ground an, der besser kaum hätte passen können.

Nicht nur, weil die Temperaturen minimal von „Backofen mit Sitzplatz“ auf „immerhin überlebbar“ gesunken waren. Sondern weil ich auf dem Rückweg über Mannheim noch einen dieser Plätze mitnehmen konnte, die für die Komplettierung der Regionalliga Südwest wichtig sind, aber eigentlich viel mehr können als nur ein weiterer Haken auf der Liste sein.

Das Rhein-Neckar-Stadion.

Ein bisschen versteckt im Sportpark, direkt neben kleineren Anlagen, Baseballplätzen und dem Carl-Benz-Stadion des deutlich bekannteren Lokalrivalen Waldhof. Schon das Carl-Benz-Stadion ist speziell genug, aber die eigentliche Perle steht ein paar Meter weiter.

Ein alter Meister im Schatten des Waldhofs

Der VfR Mannheim wirkt heute etwas unscheinbar. Fast vergessen, wenn man nicht gerade ein bisschen in deutscher Fußballgeschichte herumwühlt.

Dabei reden wir hier vom Deutschen Meister von 1949. Vor 92.000 Zuschauern gewann der VfR im Stuttgarter Neckarstadion gegen Borussia Dortmund und bekam als erster Verein überhaupt die neue Meisterschale überreicht. Sepp Herberger spielte ebenfalls für den VfR, und in der alten Oberliga Süd gehörte Mannheim über viele Jahre zur Erstklassigkeit.

Und heute? Nach zwei Jahrzehnten Niederungen wieder Regionalliga Südwest. Erstes Heimspiel gegen Eintracht Trier. Traditionsverein gegen Traditionsverein, dazu eine aktive Gästeszene. Mehr Argumente brauchte ich nicht.

Der Stehplatz kostete online 14,50 Euro. Für ein unüberdachtes Regionalliga-Spiel schon eine Ansage. Gegen Trier kann man das noch irgendwie schlucken, bei Freiberg oder den diversen Zweitvertretungen dürfte es dann langsam sportlich werden.

Neckar-Stadions während des Regionalligaspiels VfR Mannheim gegen Eintracht Trier. Ein Stadion, das seinen Charme nicht verstecken muss: das Rhein-Neckar-Stadion beim Regionalligaspiel zwischen VfR Mannheim und Eintracht Trier.

Auch im Gästeblock sah man das ähnlich und kommentierte Preis und fehlende Tageskasse entsprechend per Spruchband.

Immerhin funktionierte die Organisation insgesamt ziemlich ordentlich. Für ein erstes Heimspiel eines kleineren Vereins in der Regionalliga war das sogar überraschend sauber: Einlass ohne großes Theater, keine langen Schlangen, mehrere Bierstellen, Essen schnell und zu vertretbaren Preisen.

Dass die halbe Menükarte nicht verfügbar war, gehört bei solchen Spielen wahrscheinlich einfach zur regionalen Folklore.

Der größere Aufreger passierte im Gästebereich.

In den sozialen Netzwerken und auch unter meinem Instagram-Beitrag wurde mehrfach berichtet, dass aus den Wasserhähnen auf den Toiletten gelbe Brühe kam. Das passt natürlich auf eine sehr unglückliche Art ins vergammelte Stadionbild. Nur ist eben nicht jeder verlorene Romantiker für Gammel.

Und ganz ehrlich: Wenn Vereine teilweise absurdeste Auflagen erfüllen müssen, Sichtschutz zwischen Heim- und Gästebereich bauen und jeden Zaun noch einmal mit Sicherheitslogik veredeln sollen, dann darf fließendes Wasser vielleicht auch irgendwo auf der Liste stehen. So hoch. Nicht ganz unten neben „irgendwann mal“.

Mir blieb der Toilettenbesuch bei der Hitze erspart. Ich schwitzte einfach alles vorher raus.

Schön müde, genau richtig

Dafür verliebte ich mich ziemlich schnell in dieses Stadion.

Die Haupttribüne ist wunderschön. Dazu die angemalten Stufen, die große Gegengerade, kleine Türmchen und im Hintergrund der Mannheimer Fernsehturm. Alles wirkt ein bisschen müde, aber genau richtig müde. Nicht komplett tot, aber auch nicht glattgezogen und trotz neuer Sitzschalen nicht kaputtsaniert.

Bei der Haupttribüne musste ich direkt an die alten niederländischen Elascon-Tribünen denken. Ob es in Mannheim wirklich genau so eine Konstruktion ist, will ich ohne Bauakten nicht behaupten. Aber der Gedanke lag nahe: freistehendes Dach, klare Linien, keine Stützpfeiler vor der Sicht.

Diese Art Tribüne genießt in den Niederlanden völlig zu Recht Kultstatus. In einem niederländischen Fußballkulturmagazin wurden solche Dächer einmal sinngemäß als Citroën DS unter den Fußballtribünen beschrieben.

Und ja, ich verstehe das.

Heute baut man oft Funktionsdächer, die aussehen wie ein überdachter Baumarktparkplatz. Früher bekam selbst ein Fußballstadion in Mannheim noch eine Tribüne mit Haltung.

Auch der Gästeblock machte Laune. Nicht nur die verstreuten Leute hinter dem Tor unter den Bäumen, sondern vor allem der aktive Trierer Haufen von vielleicht 150 Leuten. Optisch ordentlich, melodisch sehr angenehm, dazu genug Bewegung, um diesem heißen Regionalliga-Nachmittag ein bisschen Leben zu geben.

Trier macht den Nachmittag spät

Und auch sportlich bekam der Tag endlich einen schönen Verlauf.

Mannheim ging nicht unter, Trier war da, das Spiel blieb lange offen. Nach dem 1:1 wirkte es schon, als würde dieser Nachmittag gemütlich austrudeln. Sommerruhe im Rhein-Neckar-Stadion, alle schwitzen, keiner will mehr richtig, Hauptsache Schatten.

Alte Tribüne, enge Bereiche und reichlich Metall: Im Rhein-Neckar-Stadion ist noch ziemlich viel von einer anderen Stadiongeneration übrig.

Dann kam die 90. Minute.

Trier traf zum 2:1, und der Gästeblock eskalierte genau so, wie man es sich für so einen Ausflug wünscht. Last-Minute-Sieger in einem alten Stadion, aktive Szene am Zaun, Hitze, kaputte Schönheit, ein bisschen Chaos rundherum.

Viel besser bekommt man so einen Regionalliga-Abschluss eigentlich nicht serviert.

Für den VfR war es sportlich bitter. Als Groundhopper-Abend hatte das trotzdem ziemlich genau das richtige Paket: ein historisch großer, heute fast übersehener Verein, ein Stadion mit Charakter und ein Gästeblock, der in der letzten Minute noch einmal komplett aufwacht.

Und dann war da natürlich noch dieses Wasser.

Gold aus der Leitung, drei Punkte für Trier und ein Ground mehr auf der Liste. Mannheim kann Regionalliga manchmal schon ziemlich gut.