Für mich wurde am Dienstag, dem 2. Mai 2023, ein kleiner Kindheitstraum wahr. Denn es ging ins große Nationalstadion unseres direkten Nachbarlandes. Auch das Heimstadion von Legia liegt in Warschau, weshalb Legia für uns natürlich ein absoluter Wunschteilnehmer für dieses Finale war.
Es war für mich kein besonders aufregendes Spiel. Tore gab es keine, auch wenn Legia nach einem frühen Platzverweis fast das komplette Spiel in Unterzahl bestreiten musste und erst im Elfmeterschießen gewann. Im Gegensatz zum niederländischen Pokalfinale gab es auf dem Platz auch vergleichsweise wenige Auseinandersetzungen. Doch nicht das Spiel selbst – und das war uns allen vorher bereits klar –, sondern die Choreografien und Pyroaktionen der Fans machten den Besuch besonders.
Meerjungfrau, Blockfahnen und Pyro
Die Legia-Fans zeigten bereits vor dem Anpfiff eine beeindruckende Choreografie. Die Zuschauer auf der Osttribüne präsentierten ein riesiges Banner mit einer Meerjungfrau, dem Stadtwappen von Warschau. Deren rote Haare begannen mithilfe von Pyrotechnik zu leuchten und schienen sich auszubreiten. Danach folgten über das Spiel verteilt noch einige Blockfahnen, Pyrointros und weitere Aktionen.
Zu unserer Überraschung antworteten die Raków-Fans mit zwei eigenen Choreos und etwas kleineren Pyroshows. Für polnische Verhältnisse bestimmt nicht das Beste, aber im europäischen Vergleich kann das schon sehr gut mithalten.
Während des Spiels feuerten die Legia-Fans ihre Mannschaft mit brachialen Gesängen und Rufen an. Die Raków-Fans entgegneten mit ähnlichen, teilweise melodischeren Aktionen.
Am Ende feierten die Legia-Fans den Pokalsieg ausgelassen. Sie sangen und tanzten auf den Tribünen und zündeten nach dem Spiel noch Feuerwerk und Rauchbomben. Die Raków-Fans verließen das Stadion enttäuscht, aber auch sie applaudierten ihrer Mannschaft.
Der Unterschied zwischen der polnischen Fankultur und anderen Fankulturen wie Deutschland, Italien oder England liegt für mich vor allem in der Intensität. Die polnischen Fans sind dafür bekannt, dass sie ihre Mannschaften mit viel Emotion und Lautstärke unterstützen. Pyrotechnik und Choreografien sind fester Bestandteil ihrer Fankultur und werden von vielen Fans als wichtiger Ausdruck ihrer Verbundenheit mit dem Verein und der Stadt angesehen.
Fast ein Pokalfinale ohne Choreos
Vor dem Spiel stand all das noch auf der Kippe. Wegen Sicherheitsbedenken der Feuerwehr sollten große Blockfahnen zunächst nicht zugelassen werden. Die Legia-Fans drohten deshalb mit einem Boykott. Nach Verhandlungen gab es am 18. April die grundsätzliche Zustimmung für die Choreografien – rund um den Einlass der großen Fahnen kam es am Finaltag trotzdem noch zu Streit.
Auffällig ist doch, wie wenig das Geschehen auf den Tribünen manchmal mit dem Spielverlauf zusammenhängt. Bestimmt waren die Choreos und Gesänge in Warschau eindrucksvoller, aber die Atmosphäre beim niederländischen Finale wirkte für mich irgendwie spielnäher.

