Teil drei meiner kleinen Landespokalreise durch West-Deutschland. Für drei Spiele unter der Woche einen ziemlich weiten Weg auf sich zu nehmen, kann man durchaus hinterfragen. Nach Wattenscheid – Münster und Ratingen – Wuppertal hat sich aber auch Iserlohn wieder gelohnt.
Denn manchmal ist die beste Möglichkeit, einen neuen Ground zu machen, eben genau so ein Pokalabend: entspannte Atmosphäre, ein interessanter Gast, ein ordentlicher Gästeblock und ein Stadion, das man ohnehin schon länger auf der Liste hatte.
Auf die Sportfreunde Siegen hatte ich mich besonders gefreut. Die Szene habe ich zuletzt noch zu Oberligazeiten gesehen, und ausgerechnet das Leimbachstadion fehlt mir weiterhin als einer der letzten wirklich relevanten Grounds Deutschlands.
Iserlohn wiederum hatte ich in meinen zwei Jahren in Hamm nie geschafft. Dabei sah das Hemberg-Stadion schon auf Bildern ziemlich reizvoll aus.
Und das ist es auch.
Ein Amateurstadion, das in dieser Form mir wirklich ungewöhnlich gut gefällt. Eine erhöhte, überdachte Haupttribüne über die gesamte Spielfeldlänge, gegenüber eine breite Stehplatztribüne, dazu begrünte Wälle hinter den Toren, Containerausschank und ein wirklich ordentliches Vereinsheim.
Manchmal zweifel ich an mir, ob mich eine moderne Anlage überhaupt noch abholen kann, aber hier ist der Beweis.
Während viele moderne Amateurplätze aussehen, als hätte man beim Bau sämtliche Kostenstellen mit dem Wort „Tribüne“ vorsorglich gestrichen, bietet das Hemberg-Stadion fast alles, was ich mir von einem solchen Ground wünsche.
Dazu liegt das Ganze auch noch ziemlich schön auf einem Berg.
Dass die Iserlohner den Siegenern ausgerechnet die überdachte Gegentribüne überließen, machte die Sache perfekt.
Nur eine Frage blieb: Warum waren eigentlich so wenige Leute da?
Offiziell 450 Zuschauer, darunter laut Siegener Vereinsbericht rund 250 Gäste. Also gerade einmal etwa 200 Menschen auf Heimseite und davon eine ordentliche Anzahl Hopper (!), obwohl ein Regionalligist zum Pokalachtelfinale vorbeikam.
Natürlich ist Iserlohn keine Fußballhochburg im klassischen Sinne. Mit den Iserlohn Roosters spielt der Eishockeysport hier eine wesentlich größere Rolle. Die Roosters gehören seit 2000 zur DEL und haben am Seilersee eine entsprechend lange Tradition.
Trotzdem hätte ich mir für eine Stadt dieser Größe etwas mehr Interesse am Fußball erwartet.
Gerade in kleineren Städten erlebt man schließlich immer wieder, wie stark das Vereinsleben noch funktioniert. Und das Hemberg-Stadion bietet dafür eigentlich hervorragende Voraussetzungen.
Der FC Iserlohn ist übrigens selbst noch relativ jung. 2012 fusionierten die Sportfreunde Oestrich-Iserlohn mit der Fußballabteilung des TuS Iserlohn. Die Vorgängervereine brachten durchaus sportliche Geschichte mit: Oestrich spielte unter anderem in der Oberliga, der TuS erreichte zweimal die Hauptrunde des DFB-Pokals.
Heute spielt die erste Mannschaft in der Westfalenliga, wo sie derzeit sogar zur Spitzengruppe gehört. Auch die Jugendarbeit kann sich sehen lassen: Die U17-Juniorinnen waren jahrelang in der Bundesliga vertreten und spielen inzwischen in der Regionalliga West.
Das Hemberg-Stadion hatte zudem schon deutlich prominentere Gäste als uns Groundhopper. Während der EM 2024 nutzte die italienische Nationalmannschaft die Anlage als Trainingsstandort. Und im Sommer 2025 gab es hier sogar ein Testspiel zwischen Borussia Dortmund und dem OSC Lille.
An einem normalen Mittwochabend ist das natürlich eine andere Welt.
Organisatorisch gefiel mir der FC Iserlohn trotzdem richtig gut. Nach einem lokalen Bericht waren rund 50 freiwillige Helfer im Einsatz, die unter anderem einen zusätzlichen Getränkestand für den Gästeblock organisierten.
Es wirkte alles angenehm amateurhaft, ohne chaotisch zu sein. Man merkte einfach, dass sich die Leute Mühe gaben.
Und auf der Haupttribüne sorgten die Siegener dafür, dass der Abend auch akustisch etwas hermachte.
Die aktive Szene hatte einen ordentlichen Mob mitgebracht und von Beginn an richtig Bock. Schon die Ansprache des Capos vor Anpfiff war bemerkenswert. In einer Lautstärke, bei der wahrscheinlich der gesamte Sportplatz das Gefühl hatte, persönlich angesprochen zu werden.
Ich bin ziemlich sicher, dass seine Ansage die Traineransprache in der Kabine um einiges übertroffen hat.
Der anschließende Auftritt war ebenfalls stark. Durchgehend Bewegung, ordentliche Lautstärke und ein Support, der für diese Größenordnung wirklich Spaß machte.
Ultras mögen es inzwischen bekanntlich nicht mehr besonders, wenn Außenstehende ihre Auftritte bewerten. Kann ich verstehen. Deshalb nur so viel: Das war richtig gut.
Ein älterer Herr erzählte mir später, er habe die Siegener bei seiner Anfahrt durch halb Iserlohn gehört.
Ganz so weit würde ich vielleicht nicht gehen. Aber die Akustik des Stadions und der geschlossene Gästeblock machten schon ordentlich etwas her.
Sportlich wurden die Unterschiede dann allerdings ziemlich deutlich.
Iserlohn hielt zunächst gut 20 Minuten mit, bevor die Siegener innerhalb von acht Minuten gleich drei nahezu identische Treffer nach Eckbällen erzielten.
Dreimal Lucas Cueto, dreimal eine gefährliche Hereingabe, dreimal Tor.
Spätestens da dürfte die Stimmung in der Iserlohner Kabine gedanklich schon Richtung Schadensbegrenzung gekippt sein.
Zur Pause stand es 0:4, am Ende 1:10. Michel Stöcker erzielte allein vier Treffer.
Iserlohn gelang immerhin noch der Ehrentreffer durch Edin Grosonja. Kurioserweise bekamen die Gastgeber in der Schlussphase sogar zwei Handelfmeter zugesprochen, verschossen aber beide. Einmal Latte, einmal parierte Siegens Torwart.
Wenn man 1:10 verliert und zusätzlich noch zwei Elfmeter liegen lässt, darf man zumindest behaupten, dass das Ergebnis noch etwas freundlicher hätte aussehen können.
Siegen zieht ins Viertelfinale ein und trifft dort auf den Landesligisten FC Marl.



